Acryl-Glas, Floatglas oder Museumsglas?
Eine differenzierte Entscheidungshilfe für die professionelle Einrahmung
Die Wahl des richtigen Glases beeinflusst nicht nur den Schutz eines Kunstwerks, sondern auch dessen optische Wirkung. Neben Sicherheits- und UV-Aspekten spielen Farbwiedergabe, Reflexion, Materialstärke und der Abstand zur Arbeit eine entscheidende Rolle. Im folgenden finden Sie eine Übersicht der verschiedenen Gläser aus unserem Angebot.
1. Floatglas – Standardlösung mit optischen Grenzen
Floatglas ist das klassische Bilderrahmenglas. Es ist hart, elektrisch neutral und relativ kratzunempfindlich. Dennoch wird häufig übersehen, dass Floatglas nicht vollständig farbneutral ist.
Je nach Stärke besitzt es einen leichten grünlichen Eigenfarbton, der insbesondere bei hellen Motiven oder weißen Passepartouts sichtbar werden kann. Bei konservatorisch anspruchsvollen Arbeiten kann dies zu einer minimalen optischen Verfälschung führen.
Im Bereich vieler Wechselrahmen ist Floatglas standardmäßig verbaut.
Standardglas / Floatglas
- Hochwertiges Glas mit geschliffenen Kanten
- robust und bewährt
- nicht entspiegelt
- UV-Schutz von 30 bis 45%
Auf Grund des geringen UV-Schutzes ist Floatglas nicht für die Rahmung von wertvollen oder empfindlichen Kunstwerken geeignet.
Standardglas mattiert (Refloglas)
- Einseitig mattierte Oberfläche zur Reduzierung von Spiegelungen
- Die matte Struktur reduziert jedoch auch die Brillanz des Bildes.
- UV-Schutz von 30 bis 45%
Wichtig: Die Passepartoutstärke sollte maximal 2,0 mm betragen. Bei größerem Abstand zwischen Glas und Werk kann die Darstellung leicht verschwommen wirken.
2. Acryl-Glas – leicht, bruchsicher und UV-stark
Acryl-Glas (PMMA) ist deutlich leichter als Floatglas und nahezu bruchsicher. Gerade bei großen Formaten, in öffentlichen Räumen oder beim Versand bietet es sicherheitstechnische Vorteile.
Ein wesentlicher Vorteil ist der mögliche UV-Schutz von bis zu 99,7 %, was insbesondere für lichtempfindliche Arbeiten relevant ist.
In unserem Sortiment sind folgende Acryl-Glas-Varianten erhältlich – millimetergenau im Zuschnitt oder in Standardmaßen:
Acryl-Glas UV90
- 90 % UV-Schutz
- Sehr gute Lichtdurchlässigkeit
- Farbneutral
- Bruchfest
Aufgrund möglicher statischer Aufladung nicht geeignet für Pastell- oder Kohlearbeiten.
Antireflex Acryl-Glas
- Höchstmöglicher UV-Schutz von 99,7%
- Einseitig matt geätzt
- Entspiegelt
Auch hier gilt:
Die mattierte Oberfläche nimmt dem Bild etwas Brillanz.
Die Passepartoutstärke sollte 2,0 mm nicht überschreiten, da sonst ein leicht verschwommener Eindruck entstehen kann.
Aufgrund statischer Aufladung nicht geeignet für Pastell- oder Kohlezeichnungen.
Optical HC
- 99,7 % UV-Schutz
- Eine Seite kratzfest gehärtet
- Besonders robust im Handling
Diese Variante eignet sich für Anwendungen mit höherer mechanischer Beanspruchung.
Die kratzfeste Seite ist mit einer rosafarbenen Schutzfolie markiert. Wir empfehlen nach Entfernen der Schutzfolie eine kleine Markierung am Rand der Glasoberfläche anzubringen, um die kratzfeste Oberfläche auch bei einem Wechsel des Rahmeninhalts wiedererkennen zu können.
Tru Vue Optium Museum Acrylic®
- Beidseitig entspiegelt
- Hohe optische Klarheit
- Beidseitig kratzfest und antistatisch
- UV-Schutz 99 %
Diese Variante verbindet die Sicherheitsvorteile von Acryl-Glas mit musealer Präsentationsqualität.
3. Museumsglas – farbneutral und optisch optimiert
Im Gegensatz zu herkömmlichem Floatglas wird Museumsglas aus besonders klarem Weißglas gefertigt. Dadurch entfällt der typische Grünstich.
Zusätzlich verfügen moderne Museumsgläser über interferenz-optische Entspiegelungen, die Reflexionen deutlich reduzieren, ohne die Bildbrillanz zu mindern.
Museumsglas UV70 (TrueColour)
- Beidseitig 4-fach entspiegelt
- 70 % UV-Schutz
- Hohe Transparenz
- Kratzunempfindliche Schutzschicht
Die verbleibende Restreflexion wird leicht grünlich wahrgenommen.
Museumsglas UV92 (ClearColour)
- Beidseitig 6-fach interferenz-optisch entspiegelt
- Restreflexion unter 1 %
- UV-Schutz 92 %
- Sehr hohe Transmission und klare Konturschärfe
Die minimale Restreflexion wird leicht bläulich wahrgenommen.
4. Elektrostatische Aufladung – konservatorisch relevant
Acryl-Glas kann sich elektrostatisch aufladen.
Bei Arbeiten mit losen Pigmenten (Pastell, Kohle, Kreide, Graphit) kann dies problematisch sein.
In solchen Fällen ist Glas, insbesondere Museumsglas, häufig die konservatorisch sichere Wahl.
5. Welche Lösung ist wann sinnvoll?
Für große Formate & öffentliche Räume:
Acryl-Glas (Sicherheitsaspekt)
Für maximale Farbreinheit:
Museumsglas aus Weißglas
Für Standardrahmungen:
Floatglas
Für stark beleuchtete Räume:
Entspiegelte Varianten (Refloglas oder Antireflex-Acrylglas)
Für Pastell- oder Kohlearbeiten:
Float- oder Museumsglas

6. Fazit
Die Wahl des richtigen Glases ist keine Frage von „besser oder schlechter“, sondern es kommt auf die individuellen Anforderungen an.
Zu berücksichtigen sind:
- Art des Werkes
- Format
- Lichtverhältnisse
- Sicherheitsanforderungen
- konservatorische Aspekte
- gewünschte Farbwiedergabe
Ein bewusst gewähltes Glas unterstützt nicht nur die Präsentation, sondern auch den langfristigen Erhalt des Werkes.
